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Super-Apps auf dem Vormarsch – was wir von China über die Digitalisierung lernen können

Die digitale Gegenwart ist das Silicon Valley, die digitale Zukunft jedoch entsteht in China. Nach der wirtschaftlichen Öffnung in den 80er Jahren wuchs Chinas Wirtschaft jährlich im zweistelligen Bereich. Heute ist China auf dem Weg zur Supermacht. Es ist eine digitale Netzwelt entstanden, die an Tempo und Innovation kaum zu überbieten ist. Kassenlose Supermärkte, Smartphones statt Bargeld gehören zum Alltag. Ohne Bargeld kann mittlerweile selbst im kleinen Imbiss bezahlt werden. Spannend ist, dass Chinas Internetkonzerne ohne Konkurrenz aus dem Ausland agieren. Die Regierung möchte das so, Amazon, Google und Co haben keine Chance.

Doch welche Innovationen, welche Inspiration können die Europäer aus China erwarten? Ist China das neue Silicon Valley? Wie sehr werden chinesische Digitalkonzerne die Welt prägen? Und was können wir von ihnen lernen?

Erste Antworten auf diese Fragen lieferten Karl Krainer (Gedankenfabrik), Dr. Tu-Lam Pham (Digital IQ) und Carina Saxlund (Wirecard Labs) bei unserem China@Medientage Special am 11.07.2018.

China@Medientage im Eventspace

Warum China das neue Silicon Valley ist

Der chinesische E-Commerce-Markt ist aktuell 865 Milliarden Dollar wert und wächst jährlich um 26,8%. Der durchschnittliche chinesische E-Commerce Käufer gibt jährlich 1.800 Dollar[1] bei Online-Händlern aus. Die beliebtesten Einkaufskategorien sind Bekleidung, Reisen und Lebensmittel. China ist heute die Heimat von E-Commerce-Giganten wie JD.com, Tencent und Alibaba. Inzwischen kommen neun der zwanzig weltweit wertvollsten Internet-Firmen aus China.

In der westlichen Welt gilt Amazon als der Inbegriff des Digitalhandels und erzielte am Black Friday letzten Jahres eine Milliarde Umsatz. Alibaba, das chinesische Äquivalent, erreichte hingegen am „Singles Day“ einen Umsatz von 22 Milliarden Dollar. Grund hierfür ist das Konsumverhalten der Chinesen. Für sie bedeutet Konsum eine Art Freiheit. Zusätzlich besitzen sie eine große Leidenschaft für Innovationen und verstehen es, die Konsumenten in jeglicher Art zu involvieren.

Die neuen Giganten der digitalen Welt

Früher war China dafür berüchtigt, Produkte zu kopieren, heute setzen chinesische Unternehmen globale Trends in Bezug auf Technologieprodukte und Geschäftsmodelle. China ist Vorreiter der Digitalisierung. Für jeden amerikanischen Digitalkonzern gibt es heute bereits ein chinesisches Pendant, das meist einen deutlich höheren Marktwert hat.

Zu den größten zählen Baidu, Alibaba und Tencent. Baidu ist die größte digitale Plattform in China und das Äquivalent zu Google. 87 Prozent der Chinesen bevorzugt die Plattform als Suchmaschine. Alibaba als Pendant zu Amazon macht bereits über 750 Milliarden Umsatz im Jahr – Amazon hingegen knappe 180 Milliarden Dollar. Auch für Facebook gibt es in China ein chinesisches Pendant: Tencent. China digitalisiert sich rasend schnell. Ergebnis sind gigantische Internetkonzerne und eine Unabhängigkeit von den Big Five, den fünf Tech-Riesen aus den USA.

Schöne, neue mobile Zahlungswelten

Ein Ergebnis dieser Strategie ist die App WeChat von Tencent – eine Art Facebook, Whatsapp und Paypal in Einem.  Der zweite wichtigste Player im Bereich Payment ist die App Alipay von Alibaba. Beide sind aktuell bereits jeweils über 350 Milliarden Euro wert und haben erreicht, wovon Apple und Google aktuell noch träumen: den Einsatz des Smartphones als vorrangiges Zahlungsmittel. Bereits 2016 wurden 75 Prozent aller Online-Bezahlvorgänge mit dem Smartphone getätigt. Diese Zahlvorgänge werden fast ausschließlich über WeChat (Tencent) und Alipay (Alibaba) abgewickelt. Das Land ist auf dem Weg zur bargeldlosen Gesellschaft.

Alipay ist das weltweit größte mobile Zahlungsnetzwerk mit mehr als 622 Millionen aktiven Nutzern und mehr als 100 Millionen Transaktionen pro Tag. Alipays cross-border Bezahlung ist insgesamt in 15 Währungen verfügbar. WeChat ist die Nummer 1 Kommunikationsapp der Chinesen mit 902 Millionen aktiven Nutzern und 800 Millionen aktiven Nutzern von WeChat Pay. Die Online Bezahlung liefert eine unglaubliche Menge an Daten: Jeder Einkauf kann einer Person, einem Tag und einer Uhrzeit zugeordnet werden.

Fazit: Was Deutschland von China lernen muss

Eines wird deutlich: China sieht in der Digitalisierung insbesondere Chancen, Deutschland hingegen oft noch Nachteile. Die Angst davor, dass durch die Digitalisierung bestehende Arbeitsplätze abgebaut werden könnten, verhindert in Deutschland manchmal, digitale Innovationen als Nutzen zu sehen. Um mit der Entwicklung Schritt halten zu können, muss Deutschland in die Innovationen „eintauchen“ und die Angst vor ihnen verlieren. Zusätzlich muss hierfür über den Tellerrand geblickt werden, ganz nach dem Motto „Think big!“.

Was Deutschland von China noch lernen kann? Hier eine Zusammenfassung unseres Experten Dr. Tu-Lam Pham:

  1. Nationale Strategie
  2. Top Fokus auf neue Technologien
  3. Massive Investments von Staat und Unternehmen
  4. Chancen statt Risiken sehen
  5. Eigenes Ökosystem
  6. Pragmatismus statt Ideologie
  7. Ständig dazu lernen
  8. Demut statt Arroganz
  9. Work harder
  10. Fokus auf Bildung

China@Medientage 2018

Welche Besonderheiten es in der Medienbranche gibt und wie hier die Trends KI, Live-Streaming oder Mobile Payment umgesetzt werden, erfahren Sie auf den MEDIENTAGEN 2018.

Das Thema China ist Schwerpunkt der MEDIENTAGE 2018 – weitere Informationen finden Sie hier.

[1] https://www.ppro.com/wp-content/uploads/2018/02/PPRO_country_insight_China.pdf


 

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